Der Badisch-Pfälzische Flugsportverein (BPFV) e. V., diesjähriger Preisträger des Innovationspreises der Hellmut Niethammer Stiftung, nutzt seit Mitte März das EASA typenzertifizierte Elektroflugzeug „Velis Electro“ (Virus SW128) fest in seiner ab-initio Pilotenausbildung am Standort Mannheim. 

Zu diesem Zweck wurde die Maschine, die als 100. Velis Electro aus der Fertigung des slowenischen Herstellers „Pipistrel“ nach Mannheim geliefert wurde, in die ATO im BWLV aufgenommen. „Die Integration des Velis Electro in unsere Vereinsflugschule ist die konsequente Weiterverfolgung des 2019 ins Leben gerufenen Konzeptes eines klimafreundlichen Flugvereins. Wir spüren schon seit Jahren eine deutliche Veränderung in den Ansprüchen der Flugschülerinnen und Flugschüler, aber auch der fertigen Pilotinnen und Piloten im Verein. Die Vereinbarkeit von Hobby und Umweltverantwortung sowie die Affinität zu moderner Technik und neuen Angeboten rückt immer mehr in den Fokus der Erstanfragen. Viele kommen ja bereits mit dem E-Auto zum Flugplatz; da ist das Elektroflugzeug ein adäquates Angebot“, berichtet Vereinspräsident Florian Zahn. 

In der Flugausbildung wird der batterie-elektrische Velis Electro mit einer Flugdauer von ca. 50 Minuten plus Reserve vorerst in den ersten 10 bis 15 Stunden ab-initio eingesetzt. Anschließend werden die Flugschüler auf die konventionell angetriebenen Vereinsmaschinen umgeschult, auf denen dann die weiteren Missions bis zur Prüfung absolviert werden. „Gerade in den ersten praktischen Ausbildungsmodulen zeigen sich die Vorteile des Velis Electro“, erläutert Ausbildungsleiter Simon Grimm. „Beginnend mit dem Ground-Schooling und ersten Rollbewegungen, bei denen der Motor nur dann läuft, wenn man ihn auch braucht, aber vor allem während der ersten Platzrunden am Heimatflugplatz mit den dabei  niedrigen Flughöhen ist der Einsatz des Elektroflugzeuges mit lediglich 60 dB maximaler Lärmemission ein klares Argument – auch im Dialog mit den Anrainern des Airports“. Am City Airport Mannheim „tankt“ der Velis Electro 100% nachhaltigen Sonnenstrom über eine auf den Hangardächern installierte PV-Anlage. Auch die Flug-Lade-Zeiten im Verhältnis 1-zu-1 stellen im Ausbildungsbetrieb keine Einschränkungen dar. „Wir rollen nach der Abschlusslandung direkt zum extra für uns installierten Ladepunkt am City Airport und hängen den Flieger an den Strom. In der Zeitspanne von De-Briefing mit dem Vorgänger und der Vorflugkontrolle durch den nächsten Schüler ist der Velis Electro dann auch schon wieder bereit für die nächste Mission“, so Grimm. Mit den benachbarten Flugplätzen Speyer und Worms, die vom BPFV e. V. meist für die ersten Landungen an fremden Plätzen in der Ausbildung genutzt werden, konnten Sonderkonditionen, wie z. B. ein kostenfreies Landen, vereinbart werden. Ein weiterer Plus-Punkt in Sachen Ausbildungskosten. Selbst die an Flugplätzen bestehenden Betriebseinschränkungen aufgrund Lärmschutzverordnungen durch den Schulbetrieb könnten mit dem flüsterleisen Velis Electro aufgeweicht oder gar aufgehoben werden, so der Plan.

Das Flugzeug wird dem BPFV e. V. von der ebenfalls in Mannheim ansässigen Firma „Green Aviation Hub“ zur Verfügung gestellt, welche nicht nur als Pipistrel-Vertriebspartner für den deutschen Markt, sondern auch als deutscher Kontakt für das, insbesondere für Flugvereine interessante, all-inclusive Leasingangebot von Green Aerolease aus Frankreich arbeitet. Darüber hinaus bietet die Firma die zur Führung eines Velis Electro nötigen Unterschiedsschulungen für PPL-A Lizenzinhaber an, führt Fortbildungen für Rettungskräfte durch, hält Fach-Vorträge zur Elektrifizierung der Allgemeinen Luftfahrt und hält das Flugzeug natürlich auf Anfrage für Veranstaltungen und Interessenten bereit. „Die Trailer-Fähigkeit des Velis Electro bietet uns die Möglichkeit, in ganz Deutschland die Vorteile eines Elektroflugzeuges erlebbar zu machen“, weiß Marcus Weber, einer von drei Geschäftsführern des Green Aviation Hub, zu berichten. „Unser Ziel ist es, in den kommenden 5 Jahren ein flächendeckendes Ladenetz für Elektroflugzeuge in Deutschland zu etablieren“. Mit der in Kürze zu erwartenden Standardisierung auf den CCS2-Steckerstandard und der damit verbundenen Nutzungsmöglichkeit von Ladepunkten durch Flugzeuge und Fahrzeuge erhofft man sich einen weiteren Aufschwung.

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