Nebel

Es ist Herbst. Die kalte Jahreszeit nähert sich. Höchste Zeit, das Wissen zum Thema “Nebel” aufzufrischen.

Bevor wir über diese stratiforme, bodennahe Wolke reden, welche Nebel gennant wird; müssen wir zuerst die Sichten in der Fliegerei behandeln.

Da hätten wir:

  • die Bodensicht, entweder gemessen mit speziellen Messgeräten, den Transmissometern; oder vom geschulten und staatlich geprüften Meteorologen-Auge zu Bodenmerkmalen/Gebäuden in vorher gemessener Entfernung. (Z.B. vom Turm in EDFM zu den Schornsteinen des Großkraftwerkes Mannheim)
  • die Horizontalsicht, bestimmt von Sitz des verantwortlchen Piloten eines im Fluge befindlichen Luftfahrzeuges.
  • die Vertikalsicht, direkt senkrecht nach unten (ebenfalls von besagtem Sitz aus)
  • die Schrägsicht, durch die Frontscheibe nach vorne unten

Wie man auf dem Bild sehen kann, ist beim nahezu senkrechten Blick durch Dunst oder Nebel alles vom Feinsten, man muss mit dem Auge „nur“ die Höhe besagten Dunstes oder Nebels durchdringen. Die Landebahn des Flugplatzes z.B. ist also noch gut erkennbar. Fliegt man dann seine Platzrunde fertig, und dreht in den Endanflug, muss das Auge viel weiter durch Dunst oder Nebel schauen. Da kann dann schlagartig im kurzen Endanflug die Piste verschwinden, nicht gut.

Das ist mir selbst bei der Nachtflugausbildung passiert, ich sah von oben, dass die Landebahnbefeuerung schöne Halos bekam (= Nebel bildete sich). Also angesagt, dass die nächste Landung die Abschlusslandung sei. Es ging alles gut, bis ca. 1m über den Boden, wo die Sicht plötzlich auf wenige 100 Meter zurückging, und ich sozusagen mit dem Blindenstock zum Hangar zurückrollte.

Kommen wir zum Nebel, den es in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt:

  • Strahlungsnebel
    Voraussetzungen: ein schöner, wolkenloser, sonniger Tag gefolgt von einer sternenklaren, windstillen Nacht. Während des Tages hat sich der Boden herrlich aufgeheizt, und die darüber liegenden Luftschichten ebenfalls. Kaum geht die Sonne unter, strahlt der Boden seine Wärme in das freie Weltall ab. Dabei wird er kälter, ebenso die darüber liegenden Luftschichten. Nun ist Luft ein guter Wärmeisolator, d.h.die bodenahen Schichten kühlen sich schneller ab als die etwas höher liegenden. Wir haben nun eine bodennahe Inversion (Zunahme der Temperatur mit der Höhe, im Gegensatz zur üblichen Temperaturabnahme). Fällt nun unterhalb dieser Inversion die Temperatur auf den Taupunkt, so kann sich Nebel bilden, der langsam immer ehr in die Höhe wächst. Das tut er solange, bis sich nach Sonnenaufgang der Boden und die Luft darüber wieder erwärmt. Als Faustformel: Die Nebelauflösung dauert in etwa so lange wie die Nebelbildung am Vorabend gedauert hat.
  • Advektionsnebel (Advektion = horizontaler Transport von Luftmassen)
    feuchtwarme Luft über größeren Wasserflächen strömt über kaltes Land, et voila, Nebel bildet sich. Mir fallen dazu der Bodensee mit Friedrichshafen oder auch die Rheinebene mit Karlsruhe-Baden und sogar der Zusammenfluss von Rhein und Neckar bei Mannheim ein.
  • Verdunstungsnebel oder Seerauch
    geht genau umgekehrt als der Advektionsnebel; kalte Luft (von größeren, kalten Landmassen) strömt über warme Wasserflächen und sorgt dort für Nebelbildung. Wird aufgrund der vom Wasser aufsteigenden Nebelfähnchen auch Seerauch genannt. Bekanntestes Beispiel dürfte die Ostküste des winterlichen amerikanischen Kontinents sein, wenn kalte kontinentale Luft über den dann relativ mild temperierten Atlantik strömt.
  • Mischungsnebel
    feucht-warme gesättigte Luft einerseits sowie kalte Luft andererseits strömen aufeinander zu, und durchmischen sich. Falls nun in der neuen, gemischten Luftmasse der Taupunkt unterschritten wird, bekommen wir Mischungsnebel.
  • Frontnebel
    Keine Sorge, Fronten, Idealzyklone usw. kommt in einer späteren Folge noch zur Sprache, hier nur ein kleiner Vorgriff. An einer Warmfront gleitet feuchtwarme Luft auf die davor liegende kalte Luftmasse auf. Aufgrund dieses Aufgleitens (=Hebung) bilden sich Wolken, in unserem Fall die klassische Warmfrontbewölkung (in Zugrichtung gesehen): Cirrus (Ci), Cirrostratus (Cs), Altostratus, (As) und Nimbostratus (Ns). Aus welchem es, als vertikal mächtiger Wolke, ergiebig (für Tage) regnet. Dieser Regen fällt nun in die noch unter ihm liegende kalte Luftmasse, welche mit dieser Feuchtigkeitsmenge nicht zurechtkommt: der prä-frontale Nebel bildet sich.
  • Hebungsnebel
    Der nächtliche Bergwind ist eingeschlafen, mit der aufgehenden Sonne setzt der Talwind ein, möglicherweise feuchte Luftmassen strömen die Hänge hinauf, werden gehoben, kühlen sich mit der Höhe ab, Hebungsnebel bildet sich. Bergsteiger (speziell die Langschläfer unter ihnen) kennen das: immer nachmittags setzen sich die gerade erklommenen Gipfel ein Häubchen auf und verderben das Gipfelfoto.

Bei solchen METARs, mit wenig bis keinem Wind, und Temperatur und Taupunkt dicht beieinander gilt, wie der Pfälzer sagt: “Uffbasse!”

Euer Wetter-Bär Markus

PS: den Wetterbären, und warum er den Wetterfrosch gefressen hat, muss ich erklären: Als Teilnehmer des Vereinsausfluges nach Belgrad, war es meine vornehmste Pflicht, der Reisegruppe immer ein Wetterbriefing zur Verfügung zu stellen. Ich schrieb etwas von „fliegbarem“ Wetter, und die verdammte Autokorrektur meins iPhones machte daraus „flieg Bären“, und Katrin taufte mich letztendlich um. 🙂


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