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Erfahrungsbericht

Zweiter Alleinflug an einem schönen Samstag. (D-EBPN, Tecnam P2008)

Text & Fotos: P. Bickenbach, Flugschüler im BPFV e. V.

Es begann damit, dass mein Fingerprint nicht lesbar war. Nach gefühlten zehn Versuchen dann gelang es mir, auf das Fluggelände zu kommen.
Mit Jochen habe ich das Flugzeug gecheckt. Nach seinem obligatorischen „Wiedersehen macht Freude“ habe ich den Motor angelassen, jedoch hatte ich Probleme, das Funkgerät zu aktivieren. Ich rief Jochen über das Bose A20 Bluetooth Headset an – und er war sofort da, weil er sich noch hinter dem Flieger befand. Jochen macht das den FlugschülerINNen stets leicht, da er ihnen quasi aus dem Blickfeld entschwindet und sie sich so ganz auf die Sache konzentrieren können. Einmal aus und wieder einschalten und das Problem war behoben.
Nach dem üblichen Prozedere wie Rollfreigabe und Run-up Check meldetet ich mich am Rollhalt Piste 09 als abflugbereit. Die Antwort vom Turm kam prompt: „Rollen sie zum Abflugpunkt, QNH 1023…“.
Das tat ich und drückte sogleich den Hebel nach vorne auf Vollgas als plötzlich eine strenge Stimme vom Turm sagte: „-PN Startabbruch! -PN Startabbruch!“ Was war geschehen? Nach scharfem Abbremsen hieß es dann: „rollen sie zum Ausgang Bravo über Delta zurück zum Rollhalt Piste 09“. Okay, ich hatte nicht das explizite „Piste 09 Start frei“ bekommen. Den Fehler mache ich hoffentlich nur einmal.

(c) DFS

Im Anschluss habe ich den Flugplatz über den Pflichtmeldepunkt „KILO“ (Viernheimer Dreieck) verlassen (Verlassen der Frequenz genehmigt) und die Frequenz auf Worms eingestellt und dann weiter in Richtung Worms (EDFV) geflogen. Nach dem Anmelden am Infoplatz Worms habe ich die Frage nach dem direkten Einfliegen auf den verlängerten Endanflug Piste 24 seitens des Info-Turms bekommen, was ich mit positiv bestätigte. Zum selben Zeitpunkt hörte ich auf der Frequenz vier weitere Flugzeuge, die allesamt dasselbe Ziel hatten: Piste 24 in EDFV. Ich wurde nach meiner Höhe und Position gefragt, was in dieser Situation als Flugschüler mit Auftrag an Bord gar nicht so einfach zu beantworten ist. Höhe halten, Richtung halten, das Flugzeug in seinen Vitalfunktionen überwachen und nun noch kommunizieren und Entscheidungen treffen. Ich entschied mich dazu erst einmal nach rechts abzudrehen, um zu warten, bis sich die Situation ein wenig beruhigte.

Oben gut zu erkennen ist, wie ich nach rechts rüber ging und im Anschluss eine 360 Grad Kurve vollzog, um dem sichtlich überlasteten Wochenend-Funkdienst im Info-Turm – und mir – etwas mehr Zeit zu verschaffen. Danach ging ich in den langen Endanflug Piste 24 mit entsprechender Meldung. Der Info-Turm fragte, ob ich das Flugzeug mit der Festbeleuchtung (Taxi- und Landinglights ON) sei. Ich war froh, gesehen zu werden. Es gab in jenem Moment für mich nichts Schlimmeres, als all die Flugzeuge um mich herum zu sehen und nie genau zu wissen, ob es zu einer Annäherung in gefährlichem Ausmaß kommen wird. Nach der Landung sagte mir der Info-Turm, dass er mit meinem Fluglehrer telefoniert habe um herauszufinden, ob ich denn nach der zusätzlichen Zeit nun doch noch nach Speyer fliegen wolle. Die -PN war schließlich im Anschluss wieder gebucht. Ich telefonierte ebenfalls mit ihm, und wir entschieden uns, dass ich direkt nach Mannheim zurück fliegen werde. Während des Telefonates hatte ich die Lautstärke des Funkgerätes auf sehr leise gestellt (Bluetooth Bose A20, COM-Pegel auf null) und wunderte mich, warum es so still war und ich keine Antwort vom Turm bekam, bis mir mein Missgeschick aufgefallen ist. Also die COM-Lautstärke wieder hoch und nochmals gefunkt. Das sind die Nebenwirkungen von sehr viel neuer Technik, Bluetooth-Telefonie und allgemeinem Sprech-Funk. Gut, dass ich nicht auch noch Musik gehört habe…

Also nochmals die Bedienungsanleitung lesen; jedoch zeigt die Praxis die kleinen Unterschiede während des Workloads eines Anfängers. Im Ruhezustand ist ja alles so logisch…

Also Ausflug über Piste 24 in Worms und auf zurück nach Mannheim. Einflug über SIERRA. Landung frei Piste 09. Im Übergang vom rechten Queranflug auf den Endanflug Piste 09 wurde ich durch den SSO-Wind (150 9KT) soweit in Richtung des Hochhauses „gedrückt“, dass ich mich für ein Durchstarten entschied. Von Hermann habe ich stets gelernt, dass dies nichts Schlimmes sei, sondern eher von Stärke zeugt, sich dazu zu entscheiden, dass hier die Parameter nicht stimmen. Also Hebel nach vorne, Klappen von Lande- in TO-Konfiguration und ab in die Platzrunde. Vom Turm so bestätigt und nach einer weiteren Platzrunde landete ich sicher – nach einer einfliegenden C-152 (die ebenfalls aus Worms kam) – auf der Piste 09.

Alles in allem ein Alleinflug mit steiler Lernkurve. Jochen sagt, dass er uns Flugschüler:innen nicht von allen Erfahrungen befreien kann. Er hofft, uns so gut ausgebildet zu haben und natürlich, dass nichts Schlimmes passiert. Selbstredend hatte ich wieder vergessen, die Vergaser-Vorwärmung reinzudrücken und ich bin in TO-Konfiguration gelandet. Dafür auch mit ca. 62 KT. Wegen des Windes war das aber gar nicht schlecht. Ich hoffe auf viele weitere gute und lehrreiche Flugstunden mit Jochen.


Badisch-Pfälzischer Flugsportverein e. V. Est. 1926